Projekt: Vielfalt sichtbar machen – Akzeptanz in Genderfragen fördern

Ernst-Reuter-Schule 1

Infovitrine im Schulfoyer (© Ernst-Reuter-Schule 1)

Die Projektlehrkräfte Birgit Ausbüttel, Dr. Ana May und Sabine Spezzano der Ernst-Reuter-Schule 1 haben sich zum Ziel gesetzt, Vielfalt und Akzeptanz mit besonderem Fokus auf sexuelle Orientierung in der Schulgemeinde zu stärken. 

Über das Projekt

Bei unserem Projekt ging es ganz gezielt auch darum, Genderaspekte wie Geschlecht und sexuelle Orientierung in der Schulgemeinde in den Blick zu nehmen – neben weiteren Aspekten wie Nationalität, Religion oder Beeinträchtigungen. 

Unser ursprünglich geplantes Projekt – die Organisation einer Diversity-Feier an der Schule, bei der Beiträge von Schüler:innen zum Thema gewürdigt werden können – wurde Corona-bedingt abgesagt. Daher haben wir uns auf die Frage konzentriert, wie das oben skizzierte pädagogische Ziel sichtbar und nachhaltig im Schulalltag verankert und mit vorhandenen Strukturen sinnvoll vernetzt werden kann.

Das Projekt wurde in mehreren Schritten umgesetzt: In der Gesamtkonferenz der ERS 1 haben wir die Kolleg:innen im Juni 2020 über Zielsetzungen und Inhalte des Projekts informiert. Anschließend haben wir mit der Gestaltung eines "Willkommensflyers" für die 11. Klassen begonnen. In diesem wurde den neuen Schüler:innen der ERS 1 ihre neue Schule als "Schule der Vielfalt" vorgestellt (August 2020).

Im selben Zeitraum haben wir ein eigenes "ERS1-Diversity-Logos" erstellt. Das Logo haben wir auch als Sticker drucken lassen, damit es Signalwirkung an verschiedenen Stellen im Schulalltag entfaltet, etwa auf Briefköpfen, Entschuldigungsheften und Willkommensmappen für neue Kolleg:innen.

Ein weiterer Schritt im Projekt war die Einrichtung einer Vielfalts-Infovitrine. Im Oktober 2020 wurde diese gut sichtbar an zentraler Stelle im Schulfoyer aufgehängt. Sie präsentiert zusammen mit einem Aufsteller genderspezifische Beratungsaspekte an der Schule, Infomaterialien und wichtige Kontaktadressen, etwa von kuss41, LiBs und ProFamilia. Daran anschließend haben wir die Vorstellung dieses Beratungsangebotes durch die Projektlehrkräfte in allen 11. Klassen umgesetzt.

Gelungenes, Überraschendes, Erfreuliches

Die schulinterne Resonanz von war sehr positiv. Dies zeigte sich sowohl bei den Schüler:innen als auch im Kollegium.

Es gab viele direkte positive Rückmeldungen ("Toll, dass hier solche Themen angesprochen werden/solche Infomaterialien zur Verfügung gestellt werden"). Auch von Schüler:innen werden Gender-Themen im Unterricht häufiger aufgegriffen.

Unsere "Diversity-Buttons" und Sticker wurden sehr stark nachgefragt. Auch die Nachfrage nach dem Beratungsangebot und den Infomaterialien war sehr hoch.

Die Resonanz aus dem Kollegium war ebenfalls sehr positiv. Das Projekt gibt Denkanstöße in die richtige Richtung, da auch das Thema Gender eine wichtige Dimension der schulischen Vielfalt ist.

Die Themenbereiche Gender und Akzeptanz erhalten mehr Aufmerksamkeit im Schulalltag. Das zeigt sich z.B. durch die Verwendung geschlechtergerechter Sprache. Im Kollegium wurde der Wunsch geäußert, mehr Fortbildungsangebote z.B. zum Thema Transgender zu gestalten.

Stolpersteine

Corona, Kontaktbeschränkungen und wechselnde Unterrichtsformen: Die sonst in der Schüler:innenschaft sehr präsenten Themen geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung treten wegen der Pandemie hinter anderen dringlichen Belangen zurück (Sorge um die Familie, Gesundheit, Überforderungsängste im Digitalunterricht, häusliche Situation, Lernschwierigkeiten etc.). 

Blick in die Zukunft 

Die Etablierung der "Säulen" des Projekts, so unser Eindruck, war mit einem wesentlich höheren Aufwand verbunden, als es die Fortführung des schon etablierten Angebots sein wird. Deshalb sind wir sehr zuversichtlich, dass sich in fünf Jahren die durch das Projekt angestoßenen Strukturen zur Förderung der Offenheit und Akzeptanz in Genderfragen festigen werden. Wir möchten, dass die Offenheit für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt an der ERS1 stetig weiter zunimmt.

Personell wird die Fortführung der Arbeit des Projekts – etwa die Pflege der Infovitrine und damit verknüpft der Kontakte zu außerschulischen Institutionen und genderspezifischen Beratungsangebote - durch das Genderteam der ERS1 gesichert.

Das Team ist inzwischen fest im Organigramm der Schule verankert. Zurzeit ist das Genderteam identisch mit dem Team der Projektlehrkräfte. Wir sind jedoch zuversichtlich und haben dahingehend bereits positive Signale aus dem Kollegium erhalten, dass sich der Kreis des Genderteams um weitere Mitglieder des Kollegiums erweitern wird.

Finanziell konnten aus den Projektmitteln Anschaffungen getätigt werden, die auch in Zukunft noch tragen. Dazu gehören etwa die Infovitrine, die über die Anschaffungskosten hinaus keine weiteren Kosten verursachen wird, oder die Diversity-Sticker, die noch für längere Zeit vorrätig sind.

Darüber hinaus werden weitere Möglichkeiten sondiert, das Erreichte auch ohne Projektmittel zu sichern. So kann etwa der jährliche Druck des Willkommens-Flyers, der künftig fester Bestandteil des "Willkommenspaketes" für die neuen 11. Klassen ist, aus dem schuleigenen Budget realisiert werden. Mit Blick auf die Kosten für einen Nachdruck der Sticker mit dem Diversity-Logo sind wir im Gespräch mit dem Förderverein der Ernst-Reuter-Schule.

Tipp zum Nachahmen

Vielfalt-Sticker kommen in der Schulgemeinde sehr gut an und werden gerne (z.B. an Rucksäcken) getragen und gezeigt. Daher sind sie gut geeignet, um ein sichtbares Zeichen in der Öffentlichkeit zu setzen.

Zurück zur Übersicht "Schulen coachen Schulen"

Ernst-Reuter-Schule 1

Adresse und Kontakt:
Hammarskjöldring 17a
60439 Frankfurt am Main
Tel.: (069) 212-32000
E-Mail: sekretariat@ers1.de
Internet: ers1.de
Projekt: Vielfalt sichtbar machen - Akzeptanz in Genderfragen fördern
Projektlehrkräfte & Autorinnen dieses Berichts:
Birgit Ausbüttel, Dr. Ana May, Sabine Spezzano
Schulform: Gymnasiale Oberstufe
Anzahl der Klassen: 19
Schülerzahl: Ca. 500
Stadtteil: Nordweststadt
Besondere Angebote: Inklusiv arbeitende Schule, Mathelabor, Schreiblabor, PeP-Sprachförderprogramm (Perspektiven entwickeln durch Progression im sprachlichen Bereich), Mentor:innensystem