Projekt: Gesprächskreis Inklusion

Wöhlerschule

Die Projektlehrkräfte des Gesprächskreises Inklusion an der Wöhlerschule (© Wöhlerschule)

Mit einem "Gesprächskreis Inklusion" an der Wöhlerschule wollen die Projektlehrkräfte Franziska Deliry und Ben Lange  die Auseinandersetzung mit dem Thema stärken, um den Bedarfen von Schüler:innen mit Beeinträchtigungen noch besser zu entsprechen.

Über das Projekt

Die Wöhlerschule hat als Gymnasium faktisch bereits seit über zwei Jahrzehnten Erfahrungen gesammelt, wenn es darum geht, Schüler:innen mit besonderen Beeinträchtigungen zu beschulen.

Dabei kann auf zahlreiche, zumeist positive Erfahrungen bei der Beschulung, insbesondere von Kindern und Jugendlichen mit Hörbeeinträchtigungen oder körperlich-motorischer Entwicklungsbeeinträchtigung, zurückgeblickt werden. Diesem besonderen Engagement entspricht auch die Tatsache, dass es an der Wöhlerschule das Amt der Inklusionsbeauftragten gibt, das zwei Lehrkräfte seit dem Jahr 2010 bekleiden.

Die mit inklusiven Prozessen einhergehenden, bisherigen innersystemischen Versuche bei der inklusiven Beschulung stoßen allerdings zunehmend an Grenzen hinsichtlich Kapazität und Ressourcen der Lehrerschaft und dadurch auch an Grenzen der Akzeptanz innerhalb der eigenen Schulgemeinde.

Hier setzt nun der "Gesprächskreis Inklusion" an, der sich als Forum für einen multiperspektivischen Austausch rund um Inklusion versteht und Entlastung bei der Umsetzung inklusiver Prozesse anbieten möchte. Das soll passieren, indem fortwährend Zuständigkeiten geklärt, Bedarfe aktualisiert und Förderungsmöglichkeiten gemeinsam reflektiert und weiterentwickelt werden.

Daher soll der "Gesprächskreis Inklusion" etabliert und professionalisiert werden. Ausgangs- und Zielpunkt aller Überlegungen sind hierbei natürlich die jeweils betroffenen Schüler:innen und ihre jeweilige, konkrete Situation. Im Idealfall können diese auch als Pat:innen für Kinder und Jugendliche aktiv werden, die mit einer ähnlichen Beeinträchtigung an der Wöhlerschule sind.

Die derzeitige schulische Situation macht mit Blick auf die vergangenen Jahre die Notwendigkeit einer verstärkten, proaktiven Auseinandersetzung mit dem Thema "Inklusion" deutlich. Die Auseinandersetzung auf praktischer Ebene zeigt immer wieder, wie wichtig der Netzwerkgedanke ist, wenn Inklusion gelingen soll.

Inklusion aktiv zu gestalten und angemessen voranzutreiben, ist uns wichtig. Dabei leitet uns der Gedanke, Vielfalt im Sinne des Handlungsziels "Inklusion" als Bereicherung im Bildungsbereich aufzufassen. Dabei rückt automatisch die Einzigartigkeit des Individuums in den Mittelpunkt pädagogischen Überlegens und Handelns.

Gelungenes, Überraschendes, Erfreuliches

Wir konnten ein zunehmendes Interesse im Kollegium an den konkreten Anlässen und Anstößen beobachten, die aus den inhaltlichen Ergebnissen des "Gesprächskreises Inklusion" resultierten. Deutlich wurde dies z.B. an der geplanten Erhöhung der Sichtbarkeit unserer Arbeit, die nicht nur begrüßt wurde, sondern mit konkreten Wünschen gefüllt wurde. Diese waren z.B. nach Transparenz der Jahresplanung oder der regelmäßigen und wiederkehrenden Phasen im Rahmen der Aufnahme neuer inklusiv zu beschulender Kinder.

Erfreulich war zudem die Unterstützung im einstimmigen Votum der Gesamtkonferenz im Zusammenhang mit unserer Projektbewerbung und die hierdurch deutlich werdende Erkenntnis der Bedeutung und Zukunftsfähigkeit der schulischen Inklusion.

Als einziges Projekt im Bereich der Inklusion im Programm "NUR MIT IHNEN! Diversität und Schule" war ebenso erfreulich, dass der Support durch unseren Coach unsere Hoffnung auf Synergieeffekte in der integrativen Arbeit und mögliche systemische Übertragungen auf die Inklusion erfüllen konnte.

Stolpersteine

Als größte Herausforderung sehen wir die Kontinuität des konstruktiven Austausches zum Thema Inklusion an. Wegen zusätzlicher Belastungen wie durch die Corona-Krise ist diese Kontinuität durch niedrigere oder zurückgehende Bereitschaft des kollegialen Engagements verständlicherweise gefährdet, ebenso aufgrund einer notwendig werdenden Umverteilung von Ressourcen.

So könnte, wenn Inklusion als zusätzliche Belastung angesehen wird, beispielsweise die besondere Qualität des Gesprächskreises Inklusion als Forum des Austausches unter Interessierten zu einem Treffen der Betroffenen "verkommen" und damit seine Dynamik verlieren. Zur Überwindung dieser Stolpersteine bedarf es vor allem eines Bewusstseins und einer Sichtbarmachung dieser besonderen Qualität.

Blick in die Zukunft

In fünf Jahren gibt es eine übersichtliche und digital nachhaltig vernetze Kategorie "Inklusion" im Internetauftritt der Wöhlerschule. In einer Art Organigramm sind Kompetenzen und Zuständigkeiten des multiprofessionellen Teams so sichtbar, dass Interessierte und Betroffene Ansprechpartner:innen finden und im Prozess der Beratung und Begleitung nach Bedarf übernommen oder weitergeleitet werden.

Die Schulleitung achtet auf den Einsatz und die Unterstützung der jeweils aktuell an inklusiven Themen Arbeitenden und schafft Selbstorganisationsräume und -zeiten sowie Unterstützungsmöglichkeiten wie z.B. Koordinationstreffen.

Zentrales Gremium der kontinuierlichen Arbeit und Weiterentwicklung ist der "Gesprächskreis Inklusion", der inzwischen als Schulentwicklungsprojekt von allen Beteiligten stärker mitgetragen wird. Hierfür werden z.B. Eltern und Kinder durch Einladungen und Elternbriefe sowie auf Informationsveranstaltungen der Viertklässler:innen oder im Rahmen der Aufnahmegespräche eingebunden und aktiviert.

Die Inklusion der Wöhlerschule und der Gesprächskreis haben ein wiedererkennbares Logo auf Formblättern etc. zur Information über Vorgehensweisen im Umgang z.B. mit der Vorbereitung von inklusivem Schwimmunterricht der 6. Klassen für die Sportfachschaft. Der Gesprächskreis informiert zusätzlich zu den Inklusionsbeauftragten im zweijährigen Rhythmus die Gesamtkonferenz.

Neue Lehrer:innen im Vorbereitungsdienst werden routinemäßig informiert und in Arbeitsprozesse eingebunden. Die Ausbildung berücksichtigt das Inhaltsfeld Inklusion nicht nur, sondern versteht inklusive Arbeit in der Ausbildung als Selbstverständlichkeit.

Das Konzept des "Gesprächskreises Inklusion" ist veröffentlicht und erfährt durch Feedback anderer anwendender Schulen und Bildungseinrichtungen stetige Innovation und Erweiterung in anderen Bereichen schulischer Vernetzung und konzeptioneller Arbeit in vielfältigen Inhaltsfeldern.

Tipp zum Nachahmen

Vernetzung, Fallberatung und Coaching lenken den Blick und erlauben zu sehen. Die Bewusstmachung einer "Haltung" zur Inklusion und die Verständigung über diese innerhalb des Kollegiums sind fortwährende Elemente bei der Umsetzung inklusiver Belange.

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Wöhlerschule

Adresse und Kontakt:
Mierendorffstraße 6
60320 Frankfurt am Main
Tel.: (069) 212-35 333
E-Mail:   poststelle.woehlerschule@stadt-frankfurt.de
Internet: woehlerschule.de 
Projekt: Gesprächskreis Inklusion
Projektlehrkräfte & Autor:innen dieses Berichts:
Franziska Deliry, Ben Lange 
Schulform: Gymnasium
Anzahl der Klassen: 5-zügig plus Oberstufe
Schülerzahl: 1541
Stadtteil: Dornbusch
Besondere Angebote: MINT-Schule, Schule mit Schwerpunkt Musik, UNESCO-Projektschule