Projekt: Multireligiöse Einschulungsfeier

Ludwig-Weber-Schule

Mit einer "Multireligiösen Einschulungsfeier" an der Ludwig-Weber-Schule verfolgen die Projektlehrkräfte Petra Erk-Döring und Martin Stojan das Ziel, Schüler:innen und Eltern aller an der Schule vertretenen Konfessionen ihrem Glauben entsprechend einzubeziehen. 

Über das Projekt

Bisher gibt es für neu eingeschulte Kinder nur einen christlichen Gottesdienst in der Kirche vor der gemeinsamen Einschulungsfeier in der Schule. Wir wollen dies gerne ändern und eine gemeinsame multireligiöse Einschulungsfeier mit Vertreter:innen verschiedener Religionen in der Schule abhalten.

Ein Großteil der betroffenen Kinder und Familien gehört dem Islam an (es sind auch noch andere Religionen vertreten: Hinduismus, Sikh). Sie warten auf dem Schulhof bis die Familien und Lehrer:innen aus dem Gottesdienst zurückkommen.

Der erste Schritt war, die Kontakte mit dem evangelischen Pfarrer, dem katholischen Priester/Pastoralreferent, einem Imam und evtl. auch mit einem Vertreter aus dem Hinduismus und aus der Sikh-Religion herzustellen. Danach haben wir bei den Eltern abgefragt, welche Wünsche sie haben und was kritisch zu sehen ist. Die Eltern konnten auch selbst Vorschläge äußern. 

Bis Juli 2021 haben wir ein Einschulungsthema bestimmt und den zeitlichen Rahmen für die Feier gesetzt. Hierbei haben wir uns auch Gedanken über den Ablauf gemacht, also über den gemeinsamen Segen, die Lieder, Gebete und Texte. Danach folgt ein Treffen mit allen Beteiligten, um die Ergebnisse aus den vorherigen Schritten zu teilen. Der letzte Schritt ist die Einladung der Presse bis August 2021.

Gelungenes, Überraschendes, Erfreuliches

Die Kommunikation zwischen den religiösen Vertreter:innen und der Schule war angenehm, da diese sich sofort rückgemeldet haben und offen für Gespräche zur multireligiösen Einschulungsfeier waren. Auch schulintern besteht eine große Offenheit und Bereitschaft, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Stolpersteine

Eigentlich wollten wir bereits zum neuen Schuljahr 2020/21 mit einer multireligiösen Einschulungsfeier starten. Im vergangenen Schuljahr konnten wir dies ja leider aufgrund der aktuellen Situation nicht. Daher hat sich unsere gesamte Planung um ein weiteres Jahr nach hinten verschoben. Es ergaben sich einige Stolpersteine bei unserem Projekt.

Zwar war die Kommunikation mit den christlichen Vertreter:innen aus dem Stadtteil angenehm, jedoch standen sie der Idee einer multireligiösen Einschulungsfeier skeptisch gegenüber. Denn sie wollten den christlichen ökumenischen Einschulungsgottesdienst nicht zugunsten einer Einschulungsfeier aufgeben, die den kleinsten gemeinsamen Nenner der christlichen und islamischen Religion berücksichtigt.

Zudem stellten sie bei solch einer Feier die Notwendigkeit ihrer Teilnahme in Frage, wenn die Feier auch von den Religionslehrkräften der verschiedenen Religionen ausgerichtet werden kann.

Ein weiterer Stolperstein bestand darin, einen Imam zu finden, der ausreichend Deutsch spricht, um eine Einschulungsfeier mitgestalten zu können. Da die muslimischen Gemeinden oft auch national geprägt sind, besteht eine weitere Schwierigkeit darin, dass ein türkischer Imam zum Beispiel von den marokkanischen Eltern nicht akzeptiert wird.

Ähnliche Erfahrungen haben wir mit Islamlehrkräften an unserer Schule gemacht. Aufgrund dieser Stolpersteine haben wir den Fragebogen an die Eltern nicht verteilt, um keine falschen Erwartungen zu wecken. Stattdessen haben wir uns dazu entschieden, die Einschulungsfeier selbst auszurichten und einen religiösen Aspekt mit einzubauen.

Blick in die Zukunft

Aufgrund der beschriebenen Stolpersteine haben wir uns dazu entschlossen, die multireligiöse Einschulungsfeier ohne die Unterstützung der Vertreter:innen der verschiedenen Religionsgemeinschaften zu organisieren. Stattdessen werden Religionslehrkräfte aus dem Kollegium die Einschulungsfeier vorbereiten und den religiösen Aspekt einfließen lassen.

Wir sind in der besonderen Situation, nicht nur evangelische und katholische, sondern auch muslimische Fachlehrkräfte zu haben und können daher die Feier multireligiös gestalten, sofern es die Corona-Lage zulässt. Auch wechselt die Schulleitung der Ludwig-Weber-Schule zum kommenden Schuljahr 2021/22.

Dies sind Faktoren, die die konkrete Planung beeinflussen. Wir hoffen, dass sich das Projekt aber trotz allem in fünf Jahren etabliert hat, im Stadtteil bekannt ist und geschätzt wird. Um das Projekt am Leben zu erhalten, braucht es Kolleg:innen, die es jedes Jahr wieder in die Hand nehmen.

Im Gespräch mit den Vertreter:innen der christlichen Gemeinden wurde uns zugesagt, dass der ökumenische Einschulungsgottesdienst am Abend vor der Einschulung stattfinden wird. Auf diese Weise können wir am Tag der Einschulung selbst ohne Verzögerung und Warten auf die Gottesdienst-Teilnehmer:innen die Einschulungsfeier gemeinsam beginnen.

Tipp zum Nachahmen

Alle religiösen Fragen und Themen sind grundsätzlich emotional und persönlich behaftet. Daher sind Veränderungen nur in sehr kleinen Schritten möglich. Man sollte also nicht zu große Veränderungen erwarten, es braucht Zeit!

Zurück zur Übersicht "Schulen coachen Schulen"

Ludwig-Weber-Schule

Adresse und Kontakt:
Paul-Kirchhof-Platz 13
65931 Frankfurt am Main
Tel.: (069) 212-45465
E-Mail: info@ludwig-weber-schule.de
Internet: ludwig-weber-schule.de
Projekt: Multireligiöse Einschulungsfeier
Projektlehrkräfte & Autor:innen dieses Berichts:
Petra Erk-Döring, Martin Stojan
Schulform: Grundschule
Anzahl der Klassen: 11
Schülerzahl: 208
Stadtteil: Sindlingen
Besondere Angebote: Grundschule mit jahrgangsgemischter Eingangsstufe, ESB, Elterncafé, inklusiv arbeitende Schule